Kommunikationsförderung bei Kindern im Autismus-Spektrum

Fachvortrag am 23. Mai 2016 im Mehrgenerationenhaus Ingelheim

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Elternkompetenz stärken“ des Landkreises Mainz-Bingen konnte der Elternkreis Autismus Rheinhessen erneut eine fachkundige Referentin des Mainzer Team Autismus für einen Vortrag im Mehrgenerationenhaus Ingelheim gewinnen: Theresa Etges, Leiterin der neu geschaffenen Beratungsstelle Unterstützte Kommunikation, gab vor rund 40 Gästen Einblicke in das Thema Kommunikation und Sprachentwicklung. 

Frau Etges mit anschaulichen Beispielen beim Vortrag vor dem Elternkreis

Frau Etges mit anschaulichen Beispielen beim Vortrag vor dem Elternkreis

Der zentrale Begriff des Vortrags von Theresa Etges lautete „Joint Attention“: Gemeint ist damit die geteilte Aufmerksamkeit, also die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit einer anderen Person auf einen bestimmten Gegenstand zu lenken und die eigene Aufmerksamkeit auf das zu richten, worauf ein anderer hinweist. Während sich diese Fähigkeit normalerweise im ersten Lebensjahr entwickelt, zählt eine Beeinträchtigung in diesem Bereich, so die Referentin, zu den zentralen Defiziten bei Kindern im Autismus-Spektrum. Mit schweren Folgen – ist die Fähigkeit zur Joint Attention doch die Basis für jegliche weitere Kommunikation. „Die Verknüpfung Wort-Objekt ist nicht gegeben, wenn das Kind nicht hinschaut“, verdeutlichte Theresa Etges. Ohne die Joint Attention könnten deshalb weder der Wortschatz noch die Fähigkeit zur Empathie entwickelt werden. In der Folge bleibt das Wissen über die Umwelt eingeschränkt, fehlt die Motivation zur Kommunikation.

Die Förderung der Kommunikation bei Kindern im Autismus-Spektrum müsse deshalb, so Etges, bei der Joint Attention ansetzen – noch bevor mit dem Einsatz von Hilfsmitteln wie Piktogrammen oder Talkern begonnen werden kann.

Wie lässt sich die Joint Attention fördern? Hierzu gab Theresa Etges eine Reihe konkreter Tipps, die sie mit zahlreichen Videos aus Förderstunden mit betroffenen Kindern illustrierte. Bezugspersonen können zum Beispiel versuchen, die Aufmerksamkeit des Kindes auf ein interessantes Objekt zu lenken, ein gemeinsames Ballspiel initiieren oder eine „Imitationskiste“ mit Gegenständen nutzen, um die Imitationsfähigkeiten des Kindes zu fördern.

Im zweiten Teil ihres Vortrags stellte Theresa Etges therapeutische Hilfsmittel vor, die von sprachlich eingeschränkten Menschen zur Verständigung genutzt werden können. Je nach Abstraktionsfähigkeit der Personen helfen etwa Objekte, Fotos von Gegenständen oder Piktogramme. In diesem Zusammenhang stellte die Referentin das PECS-Programm (Picture Exchange Communication System) vor, aber auch verschiedene Talker.

Nach dem Vortrag nutzten die anwesenden Eltern die Gelegenheit, konkrete Fragen zu Kommunikationsschwierigkeiten im Alltag mit ihren betroffenen Kindern zu stellen. Die Referentin hatte zudem zahlreiche Hilfsmittel mitgebracht, so dass die Gäste die im Vortrag vorgestellten Bildkarten, Tablets oder Talker selbst ausprobieren konnten.

Erneut erwies sich das Team Autismus bei dieser Veranstaltung als wertvoller Partner des Elternkreises bei der Unterstützung von Eltern mit Kindern im Autismus-Spektrum. Wir danken Frau Etges herzlich für den interessanten Vortrag und die hilfreichen Anregungen.

Vielen Dank auch an den Landkreis Mainz-Bingen für die Übernahme der Kosten der Veranstaltung.

Claudia Sporn