Motivation in Schule und Alltag

Fachvortrag am 2. Juni 2015 im Mehrgenerationenhaus in Ingelheim

Als Teil der Veranstaltungsreihe „Elternkompetenz stärken“ des Landkreises Mainz-Bingen und auf Einladung des Elternkreises Autismus Rheinhessen war Katja Doobe, Leiterin des Bereichs „Familie und Freizeit“ des Team Autismus in Mainz, im Mehrgenerationenhaus zu Gast. Vor rund 40 Gästen hielt sie einen Vortrag mit dem Titel „Lust habe ich keine und warum soll ich überhaupt? Motivation im (Schul-)Alltag“.

„Schulalltag – für Kinder mit Autismus-Spektrum-Störung bedeutet er Stress. Sie müssen unübersichtliche Pausensituationen und Kontakte mit Mitschülern bewältigen, bewegen sich im Spannungsfeld zwischen dem Wunsch, normal sein zu wollen, sich aber als anders zu empfinden, sind nervös und aufgeregt. Und dann sollen sie noch Motivation aufbringen?“

Nach diesem Einstieg stellte Katja Doobe dar, welche Gründe hinter mangelnder Motivation stehen können: Bei Kindern mit Autismus sind das zum Beispiel fehlendes Interesse an bestimmten Themengebieten oder Schwächen in der Selbstorganisation, so dass sie wichtige Informationen oft nicht mitbekommen. Auch Schwierigkeiten in der Handlungsplanung, etwa bei selbständigem Arbeiten an Stationen, stellen für einige Schulkinder mit Autismus Hürden im Schulalltag dar.

Ein Lösungsansatz dafür sei das „Eisbergmodell“: Demnach stelle das beobachtbare Verhalten eines vermeintlich unmotivierten Kindes nur die Spitze eines Eisbergs dar. Wichtig sei es, die darunter liegenden, nicht offensichtlichen Ursachen zu erkennen. So verweigerten manche Kinder mit Autismus zum Beispiel die Hausaufgaben, weil sie kein Konzept von „Üben“ haben und deshalb den Sinn der Aufgaben nicht verstehen. Kinder mit Autismus-Spektrum-Störung sind aber häufig gerade in schwierigen Situationen nicht in der Lage, ihr Problem zu benennen: Die Therapeutin stellte aus diesem Grund einige Strategien vor, die Kindern die Kommunikation erleichtern können, wie etwa Lückentexte, Satzanfänge, Multiple Choice-Elemente oder Skalen.

Im dritten Teil ihres Vortrags präsentierte Katja Doobe konkrete, autismusspezifische Motivationsmöglichkeiten: Lob beispielsweise, das auch falsch sein könne, wenn das Kind selbst nicht mit seinem Ergebnis zufrieden sei oder nur zu mangelhaften Ergebnissen komme. Die Autismus-Expertin riet den anwesenden Eltern, den Schwerpunkt vom Ergebnis zum Prozess zu verschieben: „Auf diese Weise kann man auch kleine Schritte verstärken und einen Prozess hat man eigentlich immer“, so Katja Doobe. Im Folgenden ging sie zudem auf individuell angepasste Belohnungssysteme sowie das Nutzen von Spezialinteressen ein – zum Beispiel bei der Gestaltung von Arbeitsmaterialien oder Aufgaben.

Dem Vortrag folgte eine rege Diskussion, bei der sich auch wieder zeigte, wie viel Bedeutung Schule und Lehrern im Hinblick auf Motivation und Erfolg unserer Kinder zukommen. Katja Doobe lieferte dazu das perfekte Schlusswort: „Wir sind als Eltern gefordert, einen anderen Umgang mit dem Kind und den Situationen zu finden – auf andere Personen haben wir nur begrenzt Einfluss.“

Auf diese Weise hat der Vortragsabend zum Thema Motivation uns im Orga-Team des Elternkreises darin bestätigt, das leider nicht immer unproblematische Thema Schule weiterhin als eines unserer zentralen Aufgabenfelder zu verstehen.

Unser herzlicher Dank gilt Frau Doobe für den interessanten Vortrag und die Vielzahl an nützlichen Tipps.
Vielen Dank auch an den Landkreis Mainz-Bingen für die Übernahme der Kosten der Veranstaltung.

Claudia Sporn