Autismus, Darmgesundheit und Ernährung

„Die Gesundheit beginnt im Darm.“ Mehr als einmal fiel dieser Satz im Laufe des Abends, als Dr. Thomas Koch und Dr. Ingo Lang den Elternkreis mit zwei Vorträgen über die Zusammenhänge von Autismus und Ernährung bereicherten. Denn der Darm Ist so etwas wie „unser zweites Gehirn“, ein hochkomplexes Organ, dem wir in der Ernährung oftmals nicht genug Beachtung schenken. Dies gilt nicht nur für Menschen mit Autismus. Dennoch leiden diese häufiger als nicht autistische Menschen unter Unverträglichkeiten in Bezug auf Gluten, Laktose, Caseine und anderen Bestandteilen unserer Ernährung. Auch kann das Gleichgewicht von Bakterien in der Darmflora gestört sein, was spürbare Auswirkungen auf Immunsystem und Verhalten hat.

Dr. Thomas Koch

Dr. Thomas Koch

Den ersten Teil des Abends gestaltete Dr. Thomas Koch aus Großwinternheim mit einem umfassenden Überblick über Ernährung und Darmgesundheit, die ganzheitliche Denkweise der homöopathischen Medizin und den gesellschaftlichen Umgang mit Krankheit und Behinderung. Sehr viele Krankheiten wären nach seinem Dafürhalten vermeidbar, wenn wir in unserer gesamten Lebensweise einfache Regeln befolgen würden: Sport, Spiel, Sexualität, Schlafhygiene, Speisen und Spiritualität bezeichnete Dr. Koch als die „6 ‚S‘ für ein zufriedenes Leben“. Doch dem stehen tief verwurzelte Fehleinstellungen entgegen wie zu viel Zucker in unserer industriell gefertigten Ernährung und ein oftmals mechanistisches Weltbild der Schulmedizin.

Dr. Ingo Lang

Dr. Ingo Lang

Ein klarer Zusammenhang zwischen Ernährung und Verhalten bei Kindern mit Autismus wird deutlich, wenn wir uns vor Augen halten, dass diese ihre Empfindungen eben nicht immer kommunizieren können. Starke Bauchschmerzen äußern sich in Unruhe, in Schlafstörungen oder in problematischen Verhaltensweisen. Dies illustrierte anschaulich Dr. Ingo Lang in dem zweiten Vortrag des Abends. Herr Lang ist Physiologe und zugleich Vater eines autistischen Sohnes, der besonders sensibel auf die Nahrungsbestandteile Gluten, Zucker, Casein (= Milcheiweiß) und Glutamat reagiert. Auf diese Dinge zu verzichten, bedeutete im Alltag zunächst eine große Umstellung für das gesamte Familiensystem, das aber durch enorme Entwicklungsfortschritte des Sohnes belohnt wird.

glutenfreies Buffet

Glutenfreies Buffet für die Gäste

Dass eine Ernährungsumstellung nicht nur sinnvoll, sondern auch sehr schmackhaft sein kann, bewies das Buffet, das von Astrid Manthe, Anna Daum und Susanne Behne gestaltet wurde.

Vielen Dank an Redner und Köchinnen!

 

Motivation in Schule und Alltag

Fachvortrag am 2. Juni 2015 im Mehrgenerationenhaus in Ingelheim

Als Teil der Veranstaltungsreihe „Elternkompetenz stärken“ des Landkreises Mainz-Bingen und auf Einladung des Elternkreises Autismus Rheinhessen war Katja Doobe, Leiterin des Bereichs „Familie und Freizeit“ des Team Autismus in Mainz, im Mehrgenerationenhaus zu Gast. Vor rund 40 Gästen hielt sie einen Vortrag mit dem Titel „Lust habe ich keine und warum soll ich überhaupt? Motivation im (Schul-)Alltag“.

„Schulalltag – für Kinder mit Autismus-Spektrum-Störung bedeutet er Stress. Sie müssen unübersichtliche Pausensituationen und Kontakte mit Mitschülern bewältigen, bewegen sich im Spannungsfeld zwischen dem Wunsch, normal sein zu wollen, sich aber als anders zu empfinden, sind nervös und aufgeregt. Und dann sollen sie noch Motivation aufbringen?“

Nach diesem Einstieg stellte Katja Doobe dar, welche Gründe hinter mangelnder Motivation stehen können: Bei Kindern mit Autismus sind das zum Beispiel fehlendes Interesse an bestimmten Themengebieten oder Schwächen in der Selbstorganisation, so dass sie wichtige Informationen oft nicht mitbekommen. Auch Schwierigkeiten in der Handlungsplanung, etwa bei selbständigem Arbeiten an Stationen, stellen für einige Schulkinder mit Autismus Hürden im Schulalltag dar.

Ein Lösungsansatz dafür sei das „Eisbergmodell“: Demnach stelle das beobachtbare Verhalten eines vermeintlich unmotivierten Kindes nur die Spitze eines Eisbergs dar. Wichtig sei es, die darunter liegenden, nicht offensichtlichen Ursachen zu erkennen. So verweigerten manche Kinder mit Autismus zum Beispiel die Hausaufgaben, weil sie kein Konzept von „Üben“ haben und deshalb den Sinn der Aufgaben nicht verstehen. Kinder mit Autismus-Spektrum-Störung sind aber häufig gerade in schwierigen Situationen nicht in der Lage, ihr Problem zu benennen: Die Therapeutin stellte aus diesem Grund einige Strategien vor, die Kindern die Kommunikation erleichtern können, wie etwa Lückentexte, Satzanfänge, Multiple Choice-Elemente oder Skalen.

Im dritten Teil ihres Vortrags präsentierte Katja Doobe konkrete, autismusspezifische Motivationsmöglichkeiten: Lob beispielsweise, das auch falsch sein könne, wenn das Kind selbst nicht mit seinem Ergebnis zufrieden sei oder nur zu mangelhaften Ergebnissen komme. Die Autismus-Expertin riet den anwesenden Eltern, den Schwerpunkt vom Ergebnis zum Prozess zu verschieben: „Auf diese Weise kann man auch kleine Schritte verstärken und einen Prozess hat man eigentlich immer“, so Katja Doobe. Im Folgenden ging sie zudem auf individuell angepasste Belohnungssysteme sowie das Nutzen von Spezialinteressen ein – zum Beispiel bei der Gestaltung von Arbeitsmaterialien oder Aufgaben.

Dem Vortrag folgte eine rege Diskussion, bei der sich auch wieder zeigte, wie viel Bedeutung Schule und Lehrern im Hinblick auf Motivation und Erfolg unserer Kinder zukommen. Katja Doobe lieferte dazu das perfekte Schlusswort: „Wir sind als Eltern gefordert, einen anderen Umgang mit dem Kind und den Situationen zu finden – auf andere Personen haben wir nur begrenzt Einfluss.“

Auf diese Weise hat der Vortragsabend zum Thema Motivation uns im Orga-Team des Elternkreises darin bestätigt, das leider nicht immer unproblematische Thema Schule weiterhin als eines unserer zentralen Aufgabenfelder zu verstehen.

Unser herzlicher Dank gilt Frau Doobe für den interessanten Vortrag und die Vielzahl an nützlichen Tipps.
Vielen Dank auch an den Landkreis Mainz-Bingen für die Übernahme der Kosten der Veranstaltung.

Claudia Sporn

Ausstellungsabschluss mit Dr. Anne Häußler: „Autismus, was ist das?“

Nachdem der Elternkreis bereits mehrfach ReferentInnen vom TEAM Autismus in Mainz zu diversen Themen eingeladen hatte, beehrte uns am 21. April zum ersten Mal die Gründerin selbst, Frau Dr. Anne Häußler, mit einem Besuch im Mehrgenerationenhaus. Mit ihrem Vortrag „Autismus, was ist das?“ kehrte sie sozusagen zu den Wurzeln zurück und erläuterte fachkundig, aber keinesfalls lehrbuchhaft, worum es beim Autismus wirklich geht.

Foto Dr. A. Häußler

Dr. Anne Häußler von TEAM Autismus

Für die rund 70 Gäste wurde deutlich, wie viele verschiedene Kriterien es gibt, die aus unterschiedlichen Bereichen vorliegen können, aber keinesfalls müssen, um die Diagnose Autismus aussprechen zu können. Damit räumte sie durchaus mit einigen Klischees auf und nicht zuletzt wurde klar, wie breit das Spektrum dieser Entwicklungsstörung tatsächlich ist. Filmbeispiele und viele Erzählungen aus der täglichen Praxis machten den Vortrag anschaulich und lebensnah. Mut machte immer wieder die Erkenntnis, an welchen Stellen wir Eltern unsere autistischen Kinder unterstützen können. Vielen Dank, Frau Dr. Häußler!

Foto Elternkreisteam

Ein Apfelbaum für das MGH

Der Vortrag bildete einen würdigen Abschluss der Ausstellung „Autismus – ganz normal anders leben.“ Wir danken an dieser Stelle auch noch einmal dem Mehrgenerationenhaus für die Geburt dieser Idee und die fünfwöchige Gastfreundschaft, die die Ausstellung ermöglicht hat! Der Andrang, die vielen Gespräche, die Presseberichte, all das hätten wir in diesem Umfang niemals erwartet.

Die Zukunft der Ausstellung ist noch offen, wir haben viele Ideen, über die wir hier auf dem Laufenden halten, aber zu diesem Zeitpunkt  noch nichts verraten können.

Besucherandrang zur Ausstellungseröffnung

Besucher

Besucher der Ausstellung am 22.3.2015

„Autismus – ganz normal anders leben“: Dieser Titel gefiel uns allen am besten, als wir vor einigen Wochen in den Planungsrunden unsere Vorbereitungen überarbeiteten. Zahlreiche Porträts der Eltern über ihre Kinder waren zusammengekommen, Bilder, Texte, Fachbeiträge und sogar einige Kunstwerke der Kinder mit ihren besonderen Begabungen. Die Tage vor dem großen Tag waren hektisch und arbeitsreich. Belohnt wurden die Mühen durch den Besuch von 120 Gästen am Tag der Eröffnung und den vielen Begegnungen, die ein echtes Interesse am Thema verrieten.

Bilder

Das Herzstück der Ausstellung: Die Kurzporträts

Das Spektrum der Ausstellung ist breit. Herzstück sind die Kurzporträts der Eltern, die „Liebeserklärungen an unsere autistischen Kinder“, die in Text und Bild das ganze Spektrum der Alltagsfreuden und -sorgen aufzeigen. Neben der Elternperspektive sind Beiträge von Fachleuten wie LehrerInnen, Integrationskräften, BetreuerInnen und Geschwistern ausgestellt. Diesen Geschwisterkindern wird mit vielen Fotos besondere Ehre zuteil, spielen sie doch in den Familien oft eine tragende Rolle.

Typische Aufgaben nach TEACCH

Typische Aufgaben nach TEACCH

Nicht nur für die Fachleute interessant ist der Arbeitstisch nach dem TEACCH-Konzept. Dieser regte auch viele nicht autistische Kinder zum Ausprobieren an. TEACCH steht für Treatment and Education of Autistic and related Communication handicapped Children (deutsch: Behandlung und pädagogische Förderung autistischer und in ähnlicher Weise kommunikationsbehinderter Kinder). Diese besondere Fördermethodik aus Amerika kann den Alltag durch Visualisierungen wie Piktogramme, Bildtafeln oder Strukturierungen enorm erleichtern. Auch bietet sie altersgerechte Aufgaben auf einem individuellem Lernniveau.

 

Besonders gefreut hat uns der Besuch und die warmherzigen Einführungsworte der 2. Kreisbeigeordneten Ursula Hartmann-Graham, die den Elternkreis bereits vor einigen Wochen in ihrer Sprechstunde empfangen hatte. Auch sind Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft des Mehrgenerationenhauses inzwischen schon sprichwörtlich geworden.

Mitarbeiter des evangelischen Diakoniewerks Zoar

Mitarbeiter des evangelischen Diakoniewerks Zoar-Werkstätten Heidesheim

Dass an diesem Sonntag alles so reibungslos über die Bühne ging, verdanken wir nicht zuletzt der tollen Unterstützung des Evangelischen Diakoniewerks ZOAR-Werkstätten in Heidesheim, die mit Catering und Service und einem eigenen Beitrag über Möglichkeiten der beruflichen Qualifikation zugegen waren. Vielen Dank!

Die Ausstellung wird noch bis zum 21. April 2015 im MGH täglich von 9 – 17 Uhr zu sehen sein. Der Besuch ist kostenfrei.

Das Beste zum Schluss: Sogar die Presse war reichlich vertreten.

„Autismus – ganz normal anders leben“

Ausstellung des Elternkreises Autismus

Mit einer Auftaktveranstaltung am 22. März wird im Mehrgenerationenhaus in Ingelheim-West eine Ausstellung zum Thema „Autismus – ganz normal anders leben“ eröffnet, zu der der Elternkreis Autismus Rheinhessen alle interessierte Mitbürgerinnen und Mitbürger herzlich einlädt.

„Ganz normal“ sind Familien mit autistischen Kindern, aber eben auch „anders“. Die Trennlinie sieht in allen Familien verschieden aus – anders eben. Diesen Gedanken will der Elternkreis Autismus mit Angeboten vom 22. März bis zum 21. April im Mehrgenerationenhaus Ingelheim vermitteln.
Den Startschuss gibt um 10 Uhr das Café Inklusive, ein Familienfrühstück, das in Kooperation mit dem Evangelischen Diakoniewerk Zoar-Werkstätten Heidesheim ausgerichtet wird: Von Familien mit Handicap für „ganz normale“ Familien ohne beeinträchtigte Kinder aus der Region. Der Bewegungsraum mit zahlreichen Spielangeboten und ein Zugang zum Spielplatz stehen für alle Kinder offen. Das Café Inklusive steht für ein inklusives Familienangebote im Herzen der Stadt Ingelheim, wird Raum für Begegnung bieten und helfen Berührungsängste gar nicht erst aufkommen zu lassen.
Die ZOAR Werkstätten Heidesheim widmen sich mit einem Infostand und einer Präsentation dem Themenfeld „Bildung und Qualifikation“ für Menschen mit Beeinträchtigung. Darüber hinaus unterstützen Beschäftigte im Service an der Kuchentheke.
Zur feierlichen Ausstellungseröffnung um 11 Uhr sind alle Besucher herzlich eingeladen. Darin präsentieren Eltern Kurzporträts ihrer autistischen Kinder in unterschiedlichen kreativen Formaten. Schwerpunkt der Ausstellung ist die Elternperspektive: Was macht Kinder mit Autismus besonders, was sind ihre herausragenden, liebenswerten Eigenschaften? Was wünschen sich Eltern autistischer Kinder von der Zukunft und der Gesellschaft? Doch auch die Perspektive der Fachkräfte ist vertreten, die eigene Fachinformationen anbringen und mit ihren Exponaten aus ihrer täglichen Arbeit mit autistischen Kindern erzählen. Ein typischer Arbeitstisch mit therapeutischen Aufgaben nach dem TEACCH-Konzept bietet reichlich Gelegenheit zur spielerischen Perspektivenübernahme. Die Ausstellung auf der Empore des MGH im ersten Stock wird außerhalb der Osterferien bis zum 21. April montags bis freitags von 9-17 Uhr zu sehen sein.
Der Besuch der Ausstellung ist kostenfrei, für das Frühstück werden geringe Beiträge erhoben.

Die Veranstaltungsreihe endet am 21. April um 19:00 Uhr mit einem Fachvortrag von Dr. Anne Häußler zum Thema „Autismus – was ist das?“. Darin wird sie für Laien und Fachkräfte gleichermaßen verständlich typische Merkmale und Formen aus dem breiten Autismus-Spektrum sowie Grundzüge des TEACCH-Ansatzes vorstellen. Die Gründerin der Mainzer Praxis „Team Autismus“ blickt auf viele Jahre internationaler Berufserfahrung zurück. Team Autismus ist seit fünf Jahren aktiver Partner von Kindern mit Autismus in der Region Mainz-Bingen. Familien und Fachkräfte werden ambulant in Kindergärten, Schulen und zu Hause mit passgenauen individuellen Lösungen begleitet.
Der Besuch des Vortrags kostet 5 Euro. Um Spenden für weitere Aktivitäten im Jahr wird gebeten.

Spielen will gelernt sein

Elternworkshop am 14. Oktober 2014 im Mehrgenerationenhaus in Ingelheim

 Im Herbst startete die Kreisverwaltung Mainz-Bingen das Programm „Elternkompetenz„. Im Rahmen dieses Programms finanzierte uns die Kreisverwaltung einen Elternworkshop zum Thema „Spielen will gelernt sein“ mit Katja Doobe vom Team Autismus. Frau Doobe leitet den Bereich „Familie und Freizeit“ vom Team Autismus Mainz.

Spielen? Das ist doch kinderleicht! Das muss man nicht lernen!
Spielen ist aber für unsere autistischen Kinder alles andere als kinderleicht!

In einem ersten theoretischen Teil erklärte Frau Doobe, was überhaupt das Spielen ist. Das Spielen ist ein normaler Prozess in der Entwicklung des Kindes. Das Kind entdeckt seine Umwelt und spiegelt seine Entdeckungen durch das Spielen, durch das Imitieren wider. Es lässt seine Fantasie fliegen, kann seine Gefühle ausdrücken. Das Spiel ist auch eine wichtige Übung in der sozialen Entwicklung jedes Kind. Die Kinder beobachten sich, warten auf die Reaktion des Gegenspielers, haben Geduld, akzeptieren die Regeln des Spieles. Das heißt die Nähe zu anderen Kindern akzeptieren.

Die Symptome im Autismus-Spektrum betreffen die Kommunikation, die soziale Interaktion und gewisse Stereotype in der Handlung. Und damit wird das Spielen eine ganz komplexe Sache!

Nun stellt sich die Frage, warum wir Eltern möchten, dass unsere Kinder spielen! Spielen hat zwei Aspekte: der erste ist die Freude, die Erholung und der zweite ist das Spielen als didaktisches Medium.

Frau Doobe gab uns Ideen, wie wir eine Spielsituation gestalten könnten:

  • Strukturierung: wo ist mein Platz, was spielen wir, was muss ich tun, wann ist das Spiel fertig…
  • Funktionale Routinen aufbauen: einmal pro Woche, Vormittag/Nachmittag,….
  • Neue Formate etablieren: verschiedene Spielregeln für das gleiche Spiel
  • Spiele neu gestalten: Namen mit Stickern versehen, Spieldauer verkürzen, kleine Hilfe zum Verständnis, wer an der Reihe ist (Mütze, Medaille…..)

Im zweiten Teil des Abends kam die Praxis! Frau Doobe brachte zahlreiche Spiele für Kinder und Jugendliche. Wir bekamen die Gelegenheit, unterschiedliche Spielmaterialien zu erproben und so Ideen für alternative Spiele und Spielvariationen zu entwickeln, die wir selbst aus Alltagsgegenständen und herkömmlichen Spielmaterialien herstellen können.

Die Veranstaltung richtete sich ausschließlich an Eltern autistischer Kinder oder an Eltern, deren Kindern aufgrund einer Entwicklungsverzögerung oder einer geistigen Behinderung ähnliche Beeinträchtigungen im sozial-kommunikativen Bereich zeigen.

An dem Abend kamen 20 Familien, die zahlreiche Spielideen für ihre Kinder bekamen. Ideen, die wir jetzt im Herbst, wo die Tage kürzer werden, schön einsetzen.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Frau Doobe!

 

Delphine Hambach

Landesweiter Ehrenamtstag in Worms

Malu Dreyer zu Besuch an unserem Stand Foto: Staatskanzlei/Sämmer

Malu Dreyer zu Besuch an unserem Stand
Foto: Staatskanzlei/Sämmer

Auf dem 11. Landesweiten Ehrenamtstag in Worms 2014 waren wir eingeladen, den Elternkreis Autismus Rheinhessen mit einem eigenen Stand zu vertreten. Im Schatten des imposanten Wormser Doms zwischen 69 anderen Vertretern engagierter Gruppen konnten wir auf unsere Arbeit aufmerksam machen. Am Ende des Tages beehrte uns Ministerpräsidentin Malu Dreyer mit ihrem Besuch (siehe rechts).

Wer immer bei uns vorbeikam, wurde mit Informationen zum Thema reichlich versorgt. Dafür sorgten eine Bücherecke, zwei Plakate und viel Infomaterial (Diagnosekriterien, Presseartikel, Fotos). Derart ausgestattet kann es weitergehen!

Die ganze Truppe vor dem Stand: Angelika, Delphine, Anna, Susanne, Maximilian und Gwen (von re. nach li.)

Die ganze Truppe vor dem Stand: Angelika, Delphine, Anna, Susanne, Maximilian und Gwen (von re. nach li.)

Sommerfest im Grünen

Was braucht man für ein gelungenes Sommerfest? Einen Grillplatz in der Natur, jede Menge Würstchen, mindestens drei Kuchensorten, gut gelaunte Eltern, viele Spielgeräte für wuselnde Kids – und keinen Regen. All dies bekamen wir frei Haus auf unserem diesjährigen Sommerfest des Elternkreises, für das wir diesmal das idyllische Nieder-Wiesen ausgesucht haben.

Traktorfahrt

Los geht’s in den Sommer!

Als ob das nicht genug gewesen wäre, beglückte ein freundlicher Traktorfahrer die Kinder mit Ausflugsfahrten. Und ein Eis passte irgendwie doch noch in den Magen…

So hat der Sommer begonnen und er dauert ja noch eine Weile. Möge er nahtlos in die Familienweihnachtsfeier im Dezember übergehen!

Team Autismus baut Bereich „Familie und Freizeit“ aus

Im Bereich „Familie und Freizeit“ möchte Team Autismus in Mainz Kindern und Erwachsenen mit Autismus zukünftig Angebote machen, deren Schwerpunkt auf dem Aspekt der Freizeitgestaltung liegt.
Im Vordergrund steht dabei ein Rahmen, in dem sich die Teilnehmer wohlfühlen und Spaß und Freude daran haben, Zeit mit anderen Menschen zu verbringen.
Desweiteren sind Veranstaltungen und Projekte geplant, die von Familienangehörigen (Eltern, Geschwistern, Großeltern etc.) genutzt werden können.
Angebote im Bereich „Familie und Freizeit“ können eine therapeutische Maßnahme nicht ersetzen jedoch begleiten. Eine therapeutische Anbindung bei Team-Autismus ist keine Voraussetzung für die Teilnahme.
Mehr unter: Team Autismus – Famlie und Freizeit

 Aktueller Veranstaltungshinweis:

„Das hab ich dir schon 100 mal gesagt!“ Wenn reden alleine nicht hilft
„Familie und Freizeit“ lädt ein!
Themenabend für Eltern zur Methode der „Social Stories©“ nach Carol Gray

Donnerstag den 03.07.2014, 19:00 Uhr – 21:00 Uhr
Josefsstraße 54-56, 55118 Mainz
Teilnahmegebühr: 10 €

Mehr: Pdf

Podiumsdiskussion: Autistische Kinder in der Schullandschaft

Der Besucherandrang von mehr als 80 interessierten Eltern, Pädagogen und anderen Fachkräften hat uns bestätigt: Das Interesse am Thema Autismus und schulische Inklusion ist ungebrochen. Chancen, Möglichkeiten und Grenzen von und für unsere autistischen Kinder in der aktuellen Schullandschaft auszuloten – so lautete das stolze Ziel der Informationsveranstaltung am 24. März im Mehrgenerationenhaus Ingelheim. Dabei haben uns kompetente Gesprächspartnerinnen wortreich  unterstützt: Mit dabei waren Frau Tanja Besant-Appel von der Elisabethenschule in Sprendlingen, Frau Gerlinde Klemm von der Grundschule am Martinsberg in Siefersheim, Frau Eva Mondorf-Dewein, Beraterin für Integration/Inklusion der ADD Neustadt sowie Frau Claudia Pilger, erste Vorsitzende des Vereins PRO Förderschule e.V.

Da alle Teilnehmerinnen letztlich auf einer Seite standen, nämlich auf der unserer autistischen Kinder, verlief die Diskussion harmonisch. Jede brachte ihre eigene Perspektive aus ihrer Praxis ein, was zu einem vielseitigen Bild beigetragen hat. Für ein Fazit in Sachen Inklusion ist es bestimmt zu früh, Fakt ist aber, dass die Möglichkeiten für unsere autistischen Kinder stark vom Engagement einzelner Lehrkräfte und der Eltern abhängig sind.

Die Teilnehmerinnen im Gespräch (von re n. li): G. Klemm, Cl. Pilger, T. Besant-Appel, P. Schönhöffer (Moderation), E. Mondorf-Dewein und G. Mayer (Co-Moderation)

Die Teilnehmerinnen im Gespräch (von re n. li): G. Klemm, C. Pilger, T. Besant-Appel, P. Schönhöffer (Moderation), E. Mondorf-Dewein und G. Mayer (Co-Moderation)

Dank zahlreicher Zuschriften von betroffenen Eltern in den Wochen der Vorbereitung konnten wir auf eine Fülle berührender Erfahrungsberichte zugreifen, die letztlich das bestätigt haben, was wir längst wissen: Das autistische Spektrum ist riesig und kann nicht über einen Kamm geschoren werden. Unsere Kinder besuchen jede denkbare Schulform von Förderschulen bis hin zu Gymnasien/IGS jeweils mit oder ohne Integrationskräfte. Gemeinsam haben die Erfahrungen nur eines: Inklusion „mit Gewalt“ funktioniert nicht. Mit viel Geduld schon eher. Aber dafür ist Unterstützung nötig.

Bereits der Übergang vom Kindergarten in die Schule verläuft selten reibungslos: Haben Eltern doch eigentlich ein „Elternwahlrecht“ in Rheinland-Pfalz, so scheitert dieses in der Praxis zum Teil an den ernüchternden Gegebenheiten („wir nehmen aber nur ein I-Kraft-Kind pro Klasse auf. Versuchen Sie es doch woanders!“) und an schlecht informierten Institutionen („Wir kennen uns hier nur mit Lernbehinderungen aus“).

Dass immer nur die Politik „an allem Schuld“ ist, widerlegte Frau Kreisbeigeordnete Dorothea Schäfer, die darlegte, wie schwierig es ist schon im Kindergartenbereich rechtzeitig für bedarfsdeckende und qualifizierte inklusive Einrichtungen zu sorgen.

Doch der Abend hat uns gezeigt: Es gibt auch viele kleine Erfolgsgeschichten zu berichten. Eltern sind die besten Experten für ihre Kinder und werden in der Schulwahl häufig bestätigt, auch wenn sie diese mitunter durchsetzen müssen. Positiv berichteten Eltern auch über das große Engagement der Integrationskräfte. Der Weg zur Bewilligung angemessener Hilfen ist allerdings oftmals steinig und wird von den Kreisverwaltungen sehr unterschiedlich gehandhabt. Ein großes Problem ist, dass die Behördern sich nur bei eindeutigen Diagnosen zuständig fühlen. So werden Kinder mit frühkindlichem Autismus i.d.R. vom Sozialamt betreut, Kinder mit atypischem Autismus oder dem Asperger-Syndrom vom Jugendamt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Diagnosestellung zum Zeitpunkt der Einschulung zuweilen noch gar nicht abgeschlossen ist, die Umgebung dann mit wenig Sachkenntnis reagiert und die Informationsflüsse nur schleppend in Gang kommen.

Als Elternkreis fordern wir von der Politik: Wir benötigen verlässliche Standards für die Beschulung autistischer Kinder und eine flächendeckende Informationsstruktur, auf die alle Beteiligten zugreifen können. Erst dann rückt Inklusion in greifbare Nähe. Wir brauchen gut ausgestattete Förder- und Schwerpunktschulen genauso wie Regelschulen mit geschulten Lehrkräften und eine ideologiefreie Diskussion über die Zukunft unserer Schullandschaft. Von dieser Inklusion in der Vielfalt werden letztlich auch Kinder ohne Autismus profitieren.