Archiv für den Autor: Claudia Sporn

Geschwistergruppe gegründet

Wie bereits angekündigt, haben wir, Antonia und Juliane Behne, eine Gruppe für Geschwister autistischer Kinder ab zwölf Jahren gegründet. Am 27. Januar 2018 fand das erste Treffen statt.

Zuerst haben wir uns in Ingelheim zum Bowlen getroffen, anschließend gab es Kuchen bei Lüning. Wir haben uns sehr gefreut, schon vier Teilnehmer begrüßen zu dürfen: Sarah, Aaron, Celine und Martina.  Es war ein schöner Nachmittag, den wir miteinander verbracht haben.

Ein nächstes Treffen ist bereits geplant und wird am 10. März stattfinden. Nähere Infos dazu unter „Aktuelles“ und „Termine“.

Weitere Teilnehmer sind herzlich willkommen!

Bei weiteren Fragen könnt ihr euch gerne an uns wenden: juliane%antonia.behne@gmx.de

Spaß beim Bowling

Familienspaß im „Flummyland“

Dank der Spendengelder aus der Teilnahme am „Run for Children“ 2017 konnten wir am 19. Januar 2018 unseren Familien gleich zu Jahresbeginn ein besonderes Geschenk machen: Wir haben den Indoorspielplatz „Flummyland“ in Bingen von 19 bis 22 Uhr exklusiv für den Elternkreis angemietet. Mehr als 90 Gäste folgten der Einladung und konnten sich an diesem Abend einfach nur vergnügen, fallen lassen und entspannen. Ein Traum: rund 2.000 Quadratmeter in schönes, warmes, gelbes, und rotes Licht getaucht – nur für uns. Die Kinder und Jugendlichen mit und ohne Autismus zwischen Fünf und Fünfzehn vergnügten sich auf den Trampolinen, Kletterburgen, Go-Karts, auf der Tanzfläche, beim Tischfußball, auf Bobby Cars und und und. Wir Eltern waren für Stunden abgeschrieben. Allenfalls um sich am leckeren Fingerfood-Buffet zu bedienen, tauchten die Kinder mit geröteten Wangen zwischenzeitlich mal auf, um sich dann gleich wieder ins nächste Vergnügen zu stürzen.

Einmal mehr konnten wir über das besonders friedliche, freundliche und harmonische Miteinander oder Nebeneinander unserer Kinder staunen. Es war offenkundig, wie wohl sie sich fühlten. Entspannte Eltern, entspannte Kinder – eine Atmosphäre der Wertschätzung und des Wohlwollens. Kein Stress, kein Druck, keine Reizüberflutung an diesem Abend an diesem Wohlfühlort im geschützten Raum.

Für viele Familien war es ein freudiges Widersehen mit anderen. Die neuen Eltern in unserer Runde nutzen die Gelegenheit, um erste Kontakte zu knüpfen oder einfach nur dazusitzen, zu verschnaufen, ihren und anderen Kindern zuzusehen oder zu lesen. Die Sorgen einfach mal für ein Stunden vergessen, das konnten wir alle. Dieser Abend tat uns allen gut und ließ uns Kräfte schöpfen für den Alltag, wo ein rauerer Wind weht. Dafür danken wir den Organisatoren des „Run for Children“ von Herzen.

Susanne Behne

Buchtipps

Ratgeber/Sachliteratur

Tony Attwood: „Ein ganzes Leben mit dem Asperger-Syndrom: Von Kindheit bis Erwachsensein – alles was weiterhilft“ (2008), Trias
Basis-Werk mit umfassenden Informationen zum Asperger-Syndrom von einem der international  renommiertesten Asperger-Experten. Ein gutes Nachschlagewerk, das man auch mal interessierten Lehrern etc. in die Hand drücken kann.

Silke Bauerfeind: „Ein Kind mit Autismus zu begleiten ist auch eine Reise zu sich selbst“ (2016), BoD
In ihrem Buch zum Blog (www.ellasblog.de) schreibt die Autorin über eigene Erfahrungen mit ihrem Sohn, der frühkindlichen Autismus hat. Darüber hinaus sammelt sie Erlebnisse und Berichte von zahlreichen Familien und Angehörigen, sodass eine bunte Quelle vielfältiger Perspektiven entsteht, in der die ganze Bandbreite des autistischen Spektrum deutlich wird.

Dr. Christine Preißmann: „Glück und Lebenszufriedenheit für Menschen mit Autismus“ (2015), Kohlhammer
Eingebettet in Fakten, die Dr. Preißmann zum Thema Glück und Zufriedenheit zusammengetragen hat, kommen Betroffene selbst zu Wort und berichten von ihren positiven wie negativen Erfahrungen.

Brigitte Rollett, Ursula Kastner-Koller: „Praxisbuch Autismus für Eltern, Erzieher, Lehrer und Therapeuten.“ (2007, 3. Aufl) Urban & Fischer.
Ein hilfreicher Überblick von Diagnostik bis zur Förderung über die Lebensspanne hinweg. Ein fundierter Leitfaden, verständlich geschrieben und mit vielen Beispielen angereichert.

Antje Tuckermann / Anne Häußler / Eva Lausmann: „Herausforderung Regelschule“ (2012), Borgmann publishing
Hilfreiche und konkrete Tipps aus der TEACCH-Praxis, die Lehrkräfte im Unterricht umsetzen können.

Autobiografisches

Axel Brauns: „Buntschatten und Fledermäuse. Mein Leben in einer anderen Welt“ (2004), Goldmann
„Das Leben im Autismus ist eine miserable Vorbereitung für das Leben in einer Welt ohne Autismus. Die Höflichkeit hat viele Näpfchen aufgestellt, in die man treten kann. Autisten sind Meister darin, keines auszulassen.“ Unterhaltsam und einfühlsam beschreibt Axel Brauns sein Leben in einer Welt, die ihm lange fremd blieb. Ein sprachlicher Genuss.

John Elder Robison: „Schau mich an! Mein Leben mit Asperger“ (2008), Fackelträger-Verlag
Spannende, unterhaltsame und mit Humor erzählte Lebensgeschichte eines Asperger-Betroffenen, der nach einer Kindheit als Außenseiter zu beruflichem Erfolg und Kreativität findet: Er konstruiert flammenwerfende Gitarren für die Band KISS, entwickelt erste elektronische Spielzeuge, restauriert Autos und ist mittlerweile als Redner über Autismus aktiv.

Peter Schmidt: „Der Junge vom Saturn: Wie ein autistisches Kind die Welt sieht“ (2015), Goldmann
Kindheit und Erwachsenwerden eines Asperger-Autisten, der sich stets als andersartig erlebt, Missverständnisse überwinden muss und trotzdem erfolgreich seinen Weg geht. Die zunächst gewöhnungsbedürftige Sprache spiegelt zusätzlich die besondere Sicht des Autors auf die Welt wider.

Daniela Schreiter: „Schattenspringer: Wie es ist, anders zu sein“ (2014) und „Schattenspringer²: Per Anhalter durch die Pubertät“ (2015), Panini
Asperger in Comic-Form witzig dargestellt von einer Betroffenen, für Leser ab ca. 10 Jahren. Der zweite Band thematisiert Pubertät und junges Erwachsenenalter mit Partnerschaft(sproblemen).

Daniel Tammet: „Elf ist freundlich und Fünf ist laut: Ein genialer Autist erklärt seine Welt“ (2007/2008), Patmos/Heyne
Auch wenn Daniel Tammet als „Savant“ geniale Fähigkeiten – zum Beispiel in den Bereichen Mathematik und Sprachen – besitzt und in seinem Buch ausführlich etwa seine synästhetische Wahrnehmung von Zahlen beschreibt, finden sich in der Autobiografie auch zahlreiche Einblicke in seine autistische Erlebnis- und Erfahrungswelt, die Betroffenen oder deren Angehörigen bekannt vorkommen werden.

Daniel Tammet: „Wolkenspringer: Von einem genialen Autisten lernen“ (2009/2010), Patmos/Piper
Unbestritten verfügt Daniel Tammet über herausragende intellektuelle Fähigkeiten – ausgehend davon befasst er sich in seinem zweiten Buch mit dem Thema Gehirn auf einer breiteren Ebene, liefert spannende Erkenntnisse aus der Wissenschaft. Indem Tammet die Begabungen jedes einzelnen Menschen und die Bedeutung der Menschlichkeit im Gegensatz zur Computerwelt betont, verleiht er dem Buch eine persönliche, philosophische Prägung.

 

Pfotenglück mit „Calli“

Therapieteam Calli und Herrchen Theo Dewald hatten ihren ersten Einsatz für den Elternkreis Autismus Rheinhessen e.V.: Mit einer aus drei Kindern bestehenden Gruppe ist das Angebot „Pfotenglück“ am 16.November 2017 gestartet. Zweimal im Monat bietet der Hundeführer Kindern mit Autismus die Möglichkeit, mit Calli auf Tuchfühlung zu gehen und Glücksmomente zu erleben. Damit die Kinder mit dem Hund vertraut werden und sich auf ihn einlassen können, nimmt jedes angemeldete Kind an zwei aufeinander folgenden Terminen teil.

Kontaktaufnahme beim Spaziergang mit Calli

Beim kurzen Spaziergang konnten Eltern und Kinder Calli zunächst kennen lernen und auf sich wirken lassen. Jedes der Kinder durfte den Therapiehund eine Zeitlang an der Leine führen und ihn mit „Leckerlis“ verwöhnen. Als Spender diente hierfür ein mit Augen und Mund umgestalteter Tennisball. Wollten die Kinder ein Leckerli geben, mussten sie den Ball kräftig drücken – eine tolle Übung für Kraftdosierung und Feinmotorik mit anschließender Kontaktaufnahme zum Tier.

Erfolgserlebnisse und Spaß bei therapeutischen Spielen

Nach dem Spaziergang kehrte die Gruppe im Multimax-Raum des Mehrgenerationenhauses
Ingelheim (MGH) ein. Für den Kontakt mit Calli drinnen und draußen bietet Theo Dewald viele Ideen – zum Beispiel Gruppen-, Kreis- und Bewegungsspiele, mit denen eine Reihe therapeutischer Ziele verfolgt werden können. So übt das Kind zum Beispiel die auditive Aufmerksamkeit – das Zuhören – indem es namentlich aufgerufen wird, um dem Hund ein Leckerli zu geben. Motorische Fähigkeiten werden beim Ballwurf, Klettern über Bäume oder bei Fangspielen trainiert – überall kann der Hund eine Rolle übernehmen. Diese Spiele bringen besonderen Spaß für die Kinder und sie lernen spielerisch, auf andere Personen und Tiere Rücksicht zu nehmen. Auch interaktive Lernspiele, bei denen sich der Hund Leckerlis „erarbeiten“ muss, sind eine gute Möglichkeit, die Kinder zu aktivieren, Aufmerksamkeitsspannen zu verlängern und die Motorik zu schulen. Die mit Calli verbrachte Stunde verbindet gemeinsame Erfolgserlebnisse mit viel Spaß!

Anmeldungen laufend möglich!

Nach diesem tollen Einstieg in das „Pfotenglück“ freuen wir uns auf Eure Anmeldungen an Angelika Grewe (Projektleiterin) unter grewe(at)autismus-rheinhessen(dot)de. Die Spaziergänge mit Calli finden immer am 1. und 3. Donnerstag im Monat von 16.00 bis 17.00 in Ingelheim oder Umgebung statt.

Die Teilnahme ist für die Kinder und begleitenden Eltern kostenlos! Der Elternkreis Autismus Rheinhessen e.V. finanziert das Angebot auf Basis von Spenden. Theo Dewald unterstützt damit seinerseits den Verein „Therapiehunde Lebensfreude e.V.“ aus Bad Kreuznach, dem er selbst angehört.

Im Namen des ganzen Orga-Teams
Anna Daum

MartiniMarkt im MGH – Kuchenspenden erbeten!

Das Mehrgenerationenhaus (MGH) in Ingelheim lädt ein zum MartiniMarkt:

Am Samstag, 11. November 2017 von 14.00 bis 18.00 Uhr und am Sonntag, 12. November von 11.00 bis 18.00 Uhr werden an 30 Ständen liebevoll selbstgemachte Deko-Artikel, Schmuck, Acessoires, Taschen etc. verkauft. Es git ein Kuchenbuffet, außerdem Wildgulasch, Kürbissuppe und Waffeln, Feuerzauber und Stockbrot sowie Kreativ-Workshops, Kinderschminken und Bücherflohmarkt. Das genaue Programm findet Ihr hier: http://www.mgh-ingelheim.de/kalender/monatsansicht/

Unsere Elternkreisarbeit wäre ohne die tolle Unterstützung durch das MGH nicht denkbar und wir möchten uns dafür bei dieser Gelegenheit gerne erkenntlich zeigen, indem wir für das Kuchenbuffet spenden. Wir bitten Euch dabei um Eure Mithilfe!

Die Kuchen sollen bitte am Samstag oder Sonntag beim Besuch, Sonntag aber bis spätestens 12 Uhr abgegeben werden. Bitte gebt uns Bescheid, ob Ihr einen Kuchen mitbringen könnt und wenn ja, für welchen Tag!

Danke und bis bald auf dem MartiniMarkt!

Presse-Information: Forderungen des Elternkreises Autismus Rheinhessen e.V. zur Beschulung von Kindern mit Autismus

Ingelheim, 13. September 2017 – Ratlosigkeit und Unverbindlichkeit kennzeichnen die Situation für Schüler und Schülerinnen mit Autismus in Rheinland-Pfalz sowie für deren Eltern und Lehrer. Die Folge sind unnötige Konflikte und immer wieder untragbare Beschulungssituationen für die betroffenen Kinder und ihre Familien. „Die Missstände reichen von einem frappierenden Mangel an verbindlichen schulpolitischen Vorgaben auf Landesebene über fehlende Beratungsstrukturen für Schulen und Lehrkräfte bis hin zur mangelhaften Zusammenarbeit mit Jugend- und Sozialämtern, die für die Eingliederungshilfe beeinträchtigter Schüler zuständig sind “, so Kerstin Claus vom Vorstand des Elternkreises Autismus Rheinhessen e.V.

Im Ergebnis, so Susanne Behne, Vorsitzende der ehrenamtlichen Initiative, führe das nicht selten zu untragbaren Situationen wie mehrfachen Schulwechseln bis hin zur Nichtbeschulung über mehrere Monate. „Diesen Konflikten entkommen die Familien nur mit hart erkämpften Einzelfalllösungen – Eltern, die nicht über entsprechende Kenntnisse, Ressourcen und auch Mut verfügen, werden durch solche individuelle Lösungen massiv benachteiligt“, kritisiert Behne.

Autismusspezifische Expertise ist die Basis für adäquate Beschulung

Eine Autismusspektrumsstörung führt zu sehr unterschiedlichen Beeinträchtigungen der betroffenen Kinder – spezifisches Fachwissen ist deshalb für die individuelle Förderplanung unabdingbar, ebenso wie für die Festsetzung eines angemessenen Nachteilsausgleichs, mit dem Chancengleichheit erreicht werden soll. „Nur mit einer fachlichen Begleitung kann die Beschulung unserer Kinder gewährleistet und können die Schulen entlastet werden“, betont Kerstin Claus. Eine dafür nötige Expertise gibt es in Rheinland-Pfalz jedoch weder im Bereich der Förderschulen noch in der Regelschule.

Der Elternkreis Autismus Rheinhessen e.V. hat deshalb einer Reihe von Vertretern der Landespolitik seinen Forderungskatalog mit folgenden Punkten überreicht:

  • Schaffung eines „Förderschwerpunkts Autismus“ oder äquivalenter Strukturen, über die alle Kinder im Autismusspektrum förderdiagnostisch erfasst und mit denen sowohl Schulen als auch die betroffenen Kinder durch Schulpsychologen, Förder- und Beratungszentren oder einen Mobilen Sonderpädagogischen Dienst beratend begleitet werden. Diese Strukturen müssen für Förderschulen ebenso wie für Regelschulen gelten.
  • Verbindliche Einbeziehung der Eltern als Experten für ihr Kind in Beratungs- und Entscheidungsprozesse rund um die Beschulung ihres autistischen Kindes.
  • Schulausschlüsse einzig wegen beeinträchtigungsspezifischen Verhaltens sind unzumutbar.

Der Appell des Elternkreises Autismus Rheinhessen e.V. richtet sich an alle im Rheinland-Pfälzischen Landtag vertretenen Parteien. Susanne Behne: „Die Problematik der oft unzureichenden Schulsituation von Kindern und Jugendlichen im Autismusspektrum kann nur schulpolitisch über die skizzierten Maßnahmen behoben werden. Schulen und Eltern brauchen klare Vorgaben und kontinuierliche fachliche Unterstützung!“

Ein Herz für unsere Kinder

Danke von Herzen für diesen unvergesslichen Abend, liebe Frau Bürger und Herr Haxel!

Eine Geburtstagseinladung ist für unsere autistischen Kinder und für uns Eltern gleichermaßen etwas ganz Besonderes. So ging die Einladung von Frau Bürger aus Limburg zu ihrem 50. Geburtstag mitten ins Herz. Wir hatten sie und ihren zukünftigen Mann, den Unternehmer Volker Haxel (Schang & Haxel Elektrotechnik GmbH), der sich schon oft wohltätig engagiert hat, beim Run for Children kennengelernt. Marco Beck von Belution Event hatte uns zusammengeführt. Es ginge ihnen so gut, erzählten sie uns. Sie wären so glücklich miteinander und hätten alles, was sie bräuchten. Deshalb wäre es ihnen ein Bedürfnis, an diesem besonderen Tag innezuhalten und gemeinsam mit ihren Freunden an Menschen zu denken, denen es nicht so gut geht und die Hilfe brauchen. Frau Bürger bat die Gäste in ihrer Einladung statt Geschenken nur um eine handgeschriebene Karte und eine kleine Spende für einen sozialen Zweck – unseren Elternkreis Autismus Rheinhessen e.V. Es sollte aber nicht um eine anonyme Scheckübergabe gehen, sondern auf dem Fest selbst sollte Zeit sein für uns, unsere Kinder und unser Leben mit ihnen. Damit den Gastgebern ebenso wie den Gästen auch ganz klar vor Augen stehe, wofür sie spenden und wie sie damit ganz konkret unseren Kindern, aber auch uns Eltern helfen werden würden.

Unsere Familien auf der großen Bühne

Eine wunderschöne Feier erwartete die etwa 150 Freunde in der lauen Sommernacht des 2. September 2017. Herr Haxel und seine charmante 16-jährige Tochter Lena führten die Gäste durch ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm, das von Marco Beck und seinem Team so perfekt wie seelenvoll gestaltet wurde. Bei toller Musik, kulinarischen Freuden, liebevollen Ehrungen des Geburtstagskindes und immer wieder neuen Überraschungen vergingen die Stunden wie im Flug. Dann war es soweit. Wir wurden auf die Bühne gebeten. Der Moderator Markus Priester stellte uns Eltern (Delphine, Angelika, Anna, Kerstin und Susanne) viele Fragen zum Leben mit unseren autistischen Kindern. Und es kamen auch zwei unserer Kinder zu Wort: Sehr berührend erzählte Antonia von ihrem Bruder und bat um Respekt und Anerkennung für die Leistungen der Geschwisterkinder, die oft vergessen würden. Bewegend auch die Worte vom 14-jährigen Aspie Maximilian, der Einblicke in sein oft anstrengendes Leben mit Autismus gab und erzählte, wie sehr ihm seine Katze und sein Hund helfen würden.

Die Erfahrung, wie sehr gerade Tiere unsere besonderen Kinder berühren, haben ja schon viele von uns gemacht. Deshalb baten wir beim Spendenaufruf um Unterstützung für ein sehr schönes Projekt, das uns eine „Pferdeflüstererin“ aus Heidesheim anbietet: ein Herbstspaziergang mit Pferd durch die paradiesische Landschaft der Rheinauen mit anschließender Apfelernte. Und weil sicher viele unserer Kinder gerne einen Ausflug durch die Natur mit Pferd machen wollen, die Gruppe aber bewusst klein gehalten werden soll, haben wir das Motto auch gleich zu „Spaziergängen durch die Jahreszeiten“ für Kinder im Autismusspektrum und natürlich auch Geschwisterkinder ausgeweitet.

Welle aus Mitgefühl und Interesse

Was dann passierte, hat uns so überwältigt, dass wir noch immer ein wenig ungläubig und aufgeregt gleichermaßen auf den so besonderen Abend zurückblicken. Uns wurde eine riesige Welle aus Solidarität, Mitgefühl und auch wirklichem Interesse daran, welchen familiären Belastungen wir immer wieder ausgesetzt sind, entgegengebracht. Von der Gästeschar insgesamt, aber gerade auch individuell in vielen kleinen Gesprächen.

Am Ende wurde uns ein mehr als großzügiger Scheck überreicht, der unseren Kindern zum einen viele Spaziergänge mit Pferd sichert, uns zum anderen aber ermöglicht, schon ganz konkret weitere Projekte rund um die Bedürfnisse unserer Kinder zu planen. Was für eine Chance für uns, wo wir, wo unsere Eltern so oft damit konfrontiert sind, was eben nicht geht, welche Möglichkeiten unseren Kindern immer wieder verwehrt werden. So dürfen wir jetzt gestalten und dafür sorgen, dass Schritt für Schritt mehr Alltagsfreuden und auch Entlastungen in das Leben unserer Kinder und ihrer Familien einziehen. Was für ein Geschenk!

Frau Bürger gebührt hier der erste Dank, weil sie uns mit ihrem Verzicht erst die Türen geöffnet hat! Und was dann über das Engagement aller Organisatoren ihres Festes, über die offene Bereitschaft, sich einzulassen und eben auch zu spenden möglich wurde, ist für uns schlicht ein geniales Geschenk.

Besonders nennen wollen wir neben all den vielen Gästen natürlich Herrn Haxel, der neben seiner eignen Großzügigkeit auch die Scheckübergabe mit viel Spannung und zumindest für uns mit vielen Gänsehautmomenten gestaltet hat, sowie ganz ausdrücklich den Ehepaaren Goebel und Brumme, die uns ebenso sehr reich beschenkt haben.

Ziemlich sprachlos, aber immerhin nicht ohne herzliche Einladungen für unsere Gastgeber, uns zu unserer großen Weihnachtsfeier am 3. Dezember 2017 im MGH in Ingelheim zu besuchen, verließen wir in jeder Hinsicht reich beschenkt und überglücklich das Fest!

Susanne Behne und Kerstin Claus

 

Der Elternkreis beim Landesweiten Ehrenamtstag 2017

Als eine von rund 50 Organisationen, Initiativen und Projekten war der Elternkreis Autismus Rheinhessen e.V. am 10. September 2017 auf Einladung der Staatskanzlei, des SWR und der Stadt Ingelheim beim Landesweiten Ehrenamtstag mit dabei. An unserem Stand durften wir eine Reihe von Interessierten beraten, gaben Tipps und trugen zur Aufklärung über Autismus bei.

Besonders gefreut haben wir uns über das Interesse der Politik: Neben der Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer (SPD) sprachen wir auch mit den Grünen-Politikerinnen Irene Alt (ehemalige Ministerin für Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen in Rheinland-Pfalz) und  Tabea Rößner (Mitglied des Bundestages) sowie mit Julia Klöckner, CDU-Fraktionsvorsitzende im Landtag, und ihrer Parteikollegin, der Bundestagsabgeordneten und Wahlkreiskandidatin Ursula Groden-Kranich.

Wir nutzten die Gelegenheit auch zur Netzwerkarbeit und wiesen so zum Beispiel im Gespräch mit dem Landeselternbeirat auf notwendige Verbesserungen bei der Beschulung autistischer Kinder hin. Unser herzliches Dankeschön gilt dem Mehrgenerationenhaus (MGH) Ingelheim sowie der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (KISS) in Mainz für ihr positives Feedback und ihre Unterstützung – nicht nur während des Ehrenamtstages.

Rund um die abendliche Verleihung des Ehrenamtspreises lernten wir außerdem Gabriela Fürstin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn kennen, die besonders wegen ihres sozialen und gesellschaftlichen Engagements bekannt ist. Sie gehört zur Jury des Ehrenamtspreises und informierte sich mit großem Interesse über unsere Elternkreisarbeit.

 

Stärkung für Eltern autistischer Kinder

Einen würdigeren Rahmen hätten wir uns für die Gründung unseres Vereins nicht wünschen können: Dr. Christine Preißmann war nach einem Vortrag im Februar 2016 am 27. August 2017 bereits zum zweiten Mal unser Gast im Mehrgenerationenhaus in Ingelheim und sprach vor rund 60 Zuhörern – hauptsächlich Angehörige von Menschen mit Autismus – über das Thema „Gut leben mit einem autistischen Kind – Stärkung der Resilienz von Eltern betroffener Kinder“.

Einblicke in die Erfahrungswelt Betroffener

Die Ärztin für Allgemeinmedizin und Psychotherapie ist selbst Asperger-Autistin, engagiert sich in Selbsthilfegruppen und hat bereits eine Reihe von Büchern zum Thema Autismus veröffentlicht, in der sie Betroffene und Angehörige zu Wort kommen lässt. Aus diesem Reservoir an Erfahrungen schöpfte die Referentin, um in eindrücklicher Weise die besondere Wahrnehmung autistischer Menschen sowie ihre Erfahrungen und Schwierigkeiten in Bereichen wie Schule, Arbeit, Partnerschaft oder Wohnen zu schildern – und damit verknüpft die Belastung von Eltern und Angehörigen: Denn ihnen kann es nur gut gehen, wenn sie wissen, dass es ihrem Kind gut geht. Darüber hinaus bieten Eltern autistischer Kinder viel Zeit für Arztbesuche und Therapien auf, müssen soziale Isolation und Ausgrenzung hinnehmen und sorgen sich um die Zukunft des autistischen Kindes.

Worin können Eltern und Angehörige Stärke und Kraft finden?

Dr. Preißmann betonte, wie wichtig Resilienz ist, um mit Krisen und schwierigen Lebenssituationen gut umgehen zu können. Als Lösungsansatz präsentierte sie zum Beispiel die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten: Betroffene, Eltern, Therapeuten, Pädagogen und sonstige Bezugspersonen. Besonders erfreut waren wir als Elternkreis, darüber, welch große Bedeutung die Referentin Elterninitiativen zumaß, in denen sich Gleichgesinnte und vielleicht auch Freundschaften finden lassen. Und: „Wenn man sich für alle Betroffenen engagiert, verbessert man letztlich auch die Situation für das eigene Kind.“

Nach dem Vortrag nahm sich Dr. Preißmann Zeit für zahlreiche Fragen aus dem Publikum und gab konkrete Tipps. Im Anschluss daran nahmen viele Gäste die angenehme, vertrauensvolle und familiäre Stimmung auf und führten weiter angeregte Gespräche miteinander. Im Sinne der gegenseitigen Stärkung sowohl der Eltern als auch der Betroffenen war es wieder ein sehr schöner Abend für unseren Elternkreis und wir danken Dr. Preißmann herzlich!